Südkurier: Musik-Spektakel mit Geschichte
Mit dem Musical „Joseph Damals – Heute“ versetzte der Stadtchor Engen die Besucher jüngst ins alte Ägypten und erzählte die Geschichte von Joseph und seinen Brüdern. Diese ist dem Buch Genesis entnommen, dem ersten Buch der Tora (Gesetz), welches das Herzstück des jüdischen Kanons darstellt und als das 1. Buch Mose auch Eingang in das Alte Testament der Bibel fand. Das Musical ist inhaltlich eine Parabel auf das Leben, auf das Miteinander und ist heute noch genauso aktuell wie damals. Die Geschichte des Joseph erzählt von Missgunst, Verrat, Verleumdung, Leid, Reue, aber auch von Vergebung und Versöhnung.
Wie Ulrike Brachat, die auch die Gesamtleitung innehatte, schon bei der Vorankündigung verriet, waren an die 100 Sängerinnen und Sänger, Schauspielerinnen und Schauspieler und Tänzerinnen aus vier Generationen auf der Bühne zu sehen. Die zweistündige Musical-Aufführung war ein mitreißendes und buntes Spektakel, das die Zuschauer in der voll besetzten Stadthalle mit großer Begeisterung aufnahmen, die sich immer wieder in spontanem Szenenapplaus entlud.
Hervorzuheben sind die beiden Joseph-Darsteller: Arolesa Masurika, die Joseph als Kind darstellte, beeindruckte mit ihrer glockenhellen, klaren Stimme. Auch ihre mimischen Fähigkeiten überzeugten. Zudem hatte sie die Rolle der Schlange inne, die sich zu den Oboe-Klängen von Justyna Duda elegant aus dem Flechtkorb windet. Genauso überzeugend spielte Luca Hölbling den Joseph als Erwachsenen. Er zeigte große schauspielerische Präsenz auf der Bühne, wobei er die anfängliche Nervosität schnell ablegte und auch gesanglich überzeugen konnte. Hervorzuheben sind auch Josephs Brüder, die bis auf eine Ausnahme von weiblichen Darstellern verkörpert wurden. Auch sie glänzten mit tollem Chorgesang, Soloeinlagen und ihren darstellerischen Fähigkeiten.
Dreh- Angelpunkt der Aufführung war Ulrike Brachat, die nicht nur das zehnköpfige, musikalisch beeindruckende Orchester leitete, die Einsätze bei den Gesangseinlagen gab, sondern auch als schauspielerische Leiterin fungierte. Kurzerhand begab sie sich einmal während der Aufführung hinter die Kulissen, um den Mundschenk, gespielt von Siegfried Fleischer, auf dessen Auftritt der Pharao (Claudia M‘bianda) lange vergeblich gewartet hatte, auf die Bühne zu holen. Nicht alles war perfekt, musste es aber auch nicht sein. Die Aufführung des Musicals war herzerwärmend, generationenverbindend und immer war der Enthusiasmus aller Beteiligten zu spüren.
Die einjährige Vorbereitung auf den großen Auftritt hat sich für den Stadtchor Engen samt seinen Kinder- und Jugendchören sowie dem Vocal-Ensemble „Die Philianer“ gelohnt. Toll waren auch die Tanzeinlagen, die abwechslungsreichen Bühnenbilder und nicht zuletzt die fantastischen, sehr aufwendigen Kostüme. Zum Schluss bedankte sich Ulrike Brachat bei allen Beteiligten, den Sponsoren und den Verantwortlichen der Stadt, die an das Projekt geglaubt und dessen Realisierung erst möglich gemacht hätten.
Komposition und Leitung
Das Musical hat Andreas Mücksch komponiert. Er ist Kirchenmusikdirektor in der Pauluskirche in Halle an der Saale. Der Text stammt von Barbara Schatz. Dieses Duo hat sich auf biblische Musicals spezialisiert. Andere Werke sind „König David“ und „Esther, Königin von Susa“. Bei der Aufführung in Engen „Joseph Damals – Heute“ ist Ulrike Brachat für die Gesamtbearbeitung des Musicals verantwortlich sowie für die Musik- und Texteinrichtung. Brachat ist Dirigentin des Stadtchors Engen und war lange Leiterin der Jugendmusikschule westlicher Hegau.